Die kryptische Geschichte Tolands, des Zerschmetterten: Background-Special – Part 6

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Du bist spät, Hüter. Ich hätte dich nicht mehr vor dem Morgengrauen erwartet. Na, wie dem auch sei, setz dich dort vorne auf den Stuhl. Zieh ihn näher heran, dann muss ich nicht so laut sprechen. Heute wird es um eine ganz besondere Person gehen. Ich will dir die Geschichte Tolands, des Zerschmetterten erzählen. Sicherlich bist du schon das ein oder andere Mal auf einige Überreste seiner Existenz gestoßen. Seine Tagebücher sind allgegenwärtig und doch nur noch schwer aufzutreiben. Das haben wir wahrscheinlich deiner verfluchten Ikora Rey zu verdanken, dieser griesgrämigen, alten Hexe, aber ich schweife ab.

Fangen wir also an. Wer war Toland? Toland der Zerschmetterte, welch unheilvoller Titel, wie von einem Kometen getroffen oder einem Sateliten. Du weißt, was ich meine, Hüter? Jedenfalls, Toland war einst ein Hüter, wie du einer bist. Ein Warlock, um genau zu sein. Du weißt, Warlocks verstehen sich, anders als die Titanen oder Jäger, nicht nur auf rohe Gewalt oder Tücke, nein, sie sind vor allem das wissende und forschende Rückgrad unserer Zivilisation. Sie suchen und forschen wo sie nur können. Die Hälfte der Bücher hinter dir haben wir ihrem Drang nach Wissen zu verdanken. Und so war auch Toland einst ein junger, ambitionierter Hüter, der mit dem Gedanken, die Welt zu verändern, das Licht des Reisenden erblickte. Ich erinnere mich noch sehr gut an ihn. Talentiert, mächtig, ehrgeizig. Merke dir, Hüter, eine gefährliche Kombination. Toland verstand sich wie kein anderer vor ihm um die Macht und das Verständnis, was es brauchte, ein Warlock zu sein. Viele der Warlocks heute sind nur ein Schatten dessen, was dieser Mann einst darstellte.

Und in all seinem Eifer, seiner Kampfeslust und seines Durstes nach Wissen, konzentrierte er sich schließlich auf einen ganz besonderen Feind. Einem Feind, der ihn seinem größten Wiedersacher näher bringen sollte, der Dunkelheit. Und Toland erkannte rasch, was wir erst vor Kurzem in Erfahrung bringen konnten. Die Schar steht mit der Dunkelheit im Bund, ganz anders als die Vex, die Kabale oder die Gefallenen. Die Schar wird von der Dunkelheit angetrieben, ist mit ihr durchzogen und führt ihren Willen aus. Für Toland gab es dementsprechend nur einen Kurs, er musste die Schar studieren, sich voll und ganz in einer Arbeit aus Studium und Kampf aufgeben. Wenn ich so zurückdenke, ich wüsste nicht, wer dieser Aufgabe sonst noch gewachsen gewesen wäre.

Jetzt stell dieses alberne Grinsen ab, Hüter. Du kommst sogar zu spät zu meinem Unterricht. Glaubst du, du hättest das Durchaltevermögen, Stunden um Stunden in Bibliotheken und auf dem Schlachtfeld zu verbringen, um eine ganze Spezies zu analysieren? Wohl kaum. Was Toland für die Stadt getan hat, was er für die Menschheit getan hat, geht über unser Verständnis hinaus und sollte in Ehren gehalten werden. Er schrieb sein gesamtes Wissen nieder in Tagebüchern. Unmengen an Wissen über die Schar und teilweise auch über die Dunkelheit. Was ich dir gleich erzählen werde, Hüter, wird dein Wissen über Toland, den du bis dahin nur vom Namen her kanntest, drasstisch erweitern, also lausche gut.

Tolands Tagebuch ist wohl bis heute das Einzige, das die Menschheit vor der drohenden Gefahr durch die Schar gerettet hat. Nach dem Fall des Mondes durch Crotas Armee, hätten wir wohl kaum gewusst, wie wir der Schar hätten entgegentreten können. Nur durch Tolands Wissen war es möglich, einen effektiven Kampf bis heute überhaupt führen zu können. Und dennoch, seine Tagebücher, jene, die gefunden wurden, werden bis heute von den Obersten des Turmes unter Verschluss gehalten. Warum, fragst du dich? In seinen akribischen Forschungen ging Toland einen grausamen Handel mit sich selbst ein. Er wurde besessen von der Schar und damit meine ich nicht, dass er angefangen hat im Dunkeln zu leuchten. Die Arbeit an seinem Lebenswerk sog ihn tiefer und tiefer in ein Loch des Wahnsinns. Je mehr er sich der Schar näherte, desto mehr büßte er auch einen Teil seiner Menschlichkeit ein. Du weißt, was ich meine, Hüter. Du hast Eris Morn gesehen. Du weißt, wie sie sich verändert hat. Und ich kann dir sagen, Toland war an ihrem jetzigen Zustand nicht ganz unbeteiligt. Sein Hass auf die Schar schürrte seinen Zorn und fachte das Feuer, immer weiter zu lernen und das Wesen der Schar in sich aufzunehmen. Mit all seinem Wissen arbeitete er an einem Werkzeug, das Dunkelheit und Licht miteinander vereinen sollte, aber er konnte die Arbeit daran nie wirklich vollenden. Letzten Endes gelang es ihm nur, das Grundgestell dieses Werkzeugs zu entwickeln. Das Grundgestell einer Waffe, die du vollendet hast, Hüter. Die „Schlechtes Karma“. Eine Waffe der Dunkelheit, getränkt mit dem Licht besiegter Hüter aus dem Schmelztiegel. Ich denke, Toland wäre stolz, seine Waffe vollendet zu sehen, obwohl sie aus seinem Wahnsinn und dem Hang zur Dunkelheit entstanden ist.

Bei seiner Suche konzentrierte sich Toland vor Allem auf die Spuren vergessener Kriegsgeister. Rasputin stellte für ihn eine ganz besondere Quelle dar. Es ist nicht bekannt, ob er den alten Russen jemals gefunden hat, fest steht nur, dass er ihr Wissen nutzen wollte, um mehr über das goldene Zeitalter zu erfahren. Wahrscheinlich die einzige Forschung, die er mit seinen Warlockbrüdern gemeinsam hatte. Jedenfalls sollte es allsbald zu einem Bruch zwischen Toland und den Verantwortlichen im Turm kommen. Seine Forschungen bereiteten der Vorhut Sorgen. Dass Toland sich nicht nur mit dem Wissen, sondern auch mit dem Wesen der Schar vollsog, passte ihnen gar nicht. Die Geschichte um ihn drohte zu eskalieren, als Toland die Ankunft zweier Schar-Monster in naher Zukunft voraussagte, Crota und Oryx. Ohne überhaupt ansatzweise vom Buch der Trauer zu wissen, definierte er die Herrschaft der Schar in drei Begriffen: Oryx, Savathun und Xivu Arath. Kryptisch, nicht wahr, Hüter? Woher hatte er diese Begriffe, die uns heute nur allzu bekannt sind? Vielleicht werden wir es irgendwann erfahren. Wie auch immer, obwohl dieses Wissen, diese Vorhersage, wahrscheinlich der einzige Grund war, warum wir später einigermaßen gut auf die Angriffe von Crota und seinem Vater vorbereitet waren, sollte dies der Punkt sein, an dem Tolands Forschungen für den Turm nicht mehr zu tragen waren. Erste Befürchtungen gingen herum, Toland würde junge Hüter um sich scharen, sie mit seinen verlockenden Lehren in die Dunkelheit ziehen.

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Für die Turmältesten bestand Handlungsbedarf, diese Narren. Sie schickten Toland fort, verbannten ihn vom Turm und Toland fügte sich. Er ging ohne Widerstand ins Exil, ohne bekannten Protest und führte seine Forschungen im Untergrund weiter. Bis hin zu dem Tag, an dem Eris Morn eine Gruppe von Scharspezialisten aufstellte, um Crota, den Sohn von Oryx zu vernichten. Ein Hüter wie Toland durfte in solch einem Team selbtverständlich nicht fehlen. Sie fand Toland und überzeugte ihn, sich der Sache zu verpflichten. Doch Toland hatte seine eigenen Pläne. Crota zu vernichten, würde ihm seinem Ziel einen Schritt näher bringen, natürlich. Aber er hatte noch einen anderen Grund, in den Höllenschlund hinabzusteigen und das Reich des Dämons zu betreten. In seinen Studien war Toland immer wieder auf die Lieder der Schar gestoßen, das Todeslied, die Liturgie. Er wollte sie erlernen, sie erforschen. Denn darin fanden sich genau vier glyphenartige Noten, die ihn immer wieder verfolgten: Yul, Eir, Xol und Ur.

Vier Noten, verpackt in einem Lied, welches den Tod brachte und ihm seiner finalen Definition über die Dunkelheit näher bringen sollte. Wenn du meiner Geschichte über das Buch der Trauer gefolgt bist, Hüter, muss ich dir nicht erzählen, dass diese Noten die Namen der Wurmgötter darstellen. Die nächsten Diener der Dunkelheit oder vielleicht sogar ein Teil von ihr, sind physischer Bestandteil einer Magie, die den Tod bringt. Interessant, oder? Und noch viel interessanter: War Toland vielleicht doch das Monster, für das ihn alle hielten? Denn um das Todeslied zu hören, es zu erforschen, brauchte er jemanden, der die Schar das Lied singen lassen würde. Vielleicht ein Feuerteam, welches mit ihm in den Höllenschlund steigen würde? War Toland letztendlich Schuld an der Vernichtung des Teams und dem Schicksal Eris Morns? Hat er sie geopfert, um seine Forschung zu vollenden? Fest steht, dass Eris nur durch sein Wissen in den finsteren Stollen der Schar hatte überleben können. Er hatte sie gelehrt, sich der Schar anzupassen, die Dunkelheit ein Stück weit willkommen zu heißen und in sich aufzunehmen. Deswegen ist Eris heute so, wie sie ist, verändert, sensitiv für das Flüstern der Dunkelheit. Sie hat überlebt, dank ihm.

So konnte sie berichten, was sich zugetragen hat. Sie konnte Tolands Wesen in seiner letzten Form beschreiben. Nach ihren Aufzeichnungen war Toland so mächtig geworden und der Schar so nahe gekommen, dass er selbst in der Lage gewesen ist, mit der Dunkelheit zu kommunizieren. Eine Fähigkeit, die bis dahin nur Oryx, dem König der Besessenen zuteil gewesen war. Du verstehst nun vielleicht, wie mächtig Toland gewesen sein musste. Die Dunkelheit hatte ihm zugeflüsert, ihm das Wesen der Oger erklärt, warum sie das Licht hassten. Oger waren von Licht gefolterte Wesen, die darauf abgerichtet waren, alles zu hassen, was von Licht erfüllt ist.

Die Macht, mit der Dunkelheit zu kommunizieren, Hüter. Und die Warlocks da draußen freuen sich wie Kinder, weil sie Blitze schleudern können, wie banal. Eris berichtete weiterhin, dass Toland als Erster die Dunkelheit in einer Metapher definieren konnte:

Nach ihm, ist die Dunkelheit das Ende der Evolution und das Ende aller Dinge im Universum. Als reinigende Flamme sieht sie sich selbst als den lebendigen Tod, alles Schwache auszumerzen und nur Stärke verbleiben zu lassen. Der erste Ausdruck dieser Aufgabe, stellt die Schar heute dar.

Kryptisch, nicht wahr, Hüter? Und ich sehe, dir brennt noch eine letzte Frage in deinem Hinterköpfchen. Wo ist Toland nun? Nach Eris ist er, wie die anderen ihres Teams, im Höllenschlund untergegangen. Doch jetzt kommt der Mythos: Seine Leiche wurde nie gefunden. Nichts deutet auf das Ende seiner Existenz hin. Natürlich könnte die Schar ihn verzehrt haben, so wie sie alles verzehren, was vor ihnen wegläuft. Aber stell dir die Frage, Hüter: Warum konnte Eris mit Tolands Wissen um die Schar entkommen, er selbst aber nicht? Das passt doch irgendwie nicht zusammen, oder? Könnte Toland, der mit der Dunkelheit flüsterte, den Klauen des Höllenschlunds entkommen sein? Ikora Rey betont jungen Hütern wie dir immer wieder, dass Toland nicht grundlos aus dem Turm verbannt worden sei, was für dunkle Mächte und einen finsteren Drang zu überleben spricht. Wir wissen, Toland war besessen von der Macht des Reisenden sowie derer der Dunkelheit. Und er forschte sein ganzes Leben daran, beides in Einklang zu bringen und das Universum an die Vollendung zu bringen. Ein Schritt, der der Dunkelheit ähnelt und doch über ihr Wesen hinaus geht.

Natürlich wissen wir heute nicht, ob Toland jemals aus dem Höllenschlund entkommen ist. Wir haben nie, ähnlich wie Praedyth in der Gläsernen Kammer, einen Hinweis auf seinen Verbleib gefunden. Aber denkbar wäre es schon. Ich habe sogar meine ganz eigene Theorie, wo sich Toland heute aufhalten könnte. Er könnte unter uns sein, sich zu etwas dunklerem und gleichzeitig mächtigeren aufgeschwungen haben, ohne dass wir ihn bemerken würden. Natürlich ist das nur eine vage Vermutung, aber ich glaube, du könntest ihm bereits begegnet sein. Überlege, Hüter, von wem hast du das Gestell einer Waffe erhalten, die Toland zu Lebzeiten nie fertigstellen konnte? Wessen Wesen im Turm ist so unheimlich und fraglich wie kein anderes? Von wem wissen wir nicht, woher er kam und wer er ist?

Denke eine Weile darüber nach, Hüter und besuche mich bald wieder. Es ist spät und wir sollten uns nicht zu lang in den Geschichten der Schar verirren. Du wirst bald mehr über unser Universum erfahren, wenn es dich danach verlangt. Aber für heute beenden wir die Stunde. Gehe nun, Hüter und heb noch die seltsame Münze dort auf, die dir eben aus deiner Tasche gefallen ist. Du wirst sie bestimmt bald brauchen.

 

Art von Toland

12 Kommentare

  1. Sehr sehr gut gemacht. Bitte mehr davon!
    Je älter Destiny wird desto mehr Story Elemente werden dem Spiel hinzugefügt.
    Das Ganze wird dem Faktor Spieltiefe sehr gut tun.

    1. Ich denke eher, dass der Sprecher gemeint ist 😉 Von Eris wissen wir ja wo sie herkommt. Außerdem war sie mit Toland zusammen im Hoellenschlund. Und das Gestellt bekommt man vom Sprecher…

        1. Mist da hast du recht 😀 Sorry fuer die falsche Info 😉
          Meint Ihr Toland ist einer der Neun geworden ?

    1. Es ist eine Vermutung, eine nicht zwingend ernst gemeinte Interpretation unsererseits. Es könnte den Fakten zufolge theoretisch so sein, aber man weiß es nicht. Evtl hat Xur auch gar nichts damit zu tun.

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